JBLH: Rhein-Neckar Löwen – TSV Allach 09 34:33 (17:18)

Meisterrunde am vorletzten Spieltag der Vorrunde gesichert!

Ein unglaublich spannender, nervenaufreibender, von emotionalen Achterbahnfahrten geprägter Tag: Dieser 10.11.2019 wird in Handballach ganz sicher noch bei allen, die ihn als Spieler, Trainer oder Fan miterlebt haben, für Erzählstoff sorgen…

Während sich am Sonntagnachmittag kurz vor 15.00 Uhr die Tribünenseite der Rhein-Neckar Löwen in der Östringer Stadthalle langsam zu füllen begann, hatten sich die mitgereisten etwa 40 Allacher Fans schon längst in Position gebracht und verfolgten mit großer Vorfreude und Anspannung das Aufwärmen beider Teams. Die AllacherBuam wirkten dabei konzentriert, jeder Spieler geriet zunehmend in seinen „persönlichen Tunnel“, bevor man sich noch einmal kurz in die Mannschaftskabine zurückzog. 14 junge Männer, die genau wussten, in welchem Revier, auf welchem Parkett man hier versuchen musste das Beste zu geben, um sich vielleicht den einen notwendigen Punkt für das Erreichen der Meisterrunde in „Alligator-Manier“ zu schnappen.

Der große Name des Gegners, schon manchmal zu Beginn einer Partie ein „Fallstrick“, den sich die Jungs selber spannen und der sie auch bei den Junglöwen zunächst in unnötigen Rückstand bringt: Der erste Angriff misslingt, die ganz sichere „Siebenmeterbank“, Vitus Baumgartner, zeigt Nerven und vergibt, Felix Wöhler muss für zwei Minuten zurück auf die Bank und die Rhein-Neckar Löwen verwandeln ihrerseits den ersten Siebenmeter. Wahrlich kein geglückter Start der Gäste in diesen beiden ersten Spielminuten! Auch die folgenden zehn Minuten gehen an die Gäste, die die Startschwierigkeiten der Allacher clever für sich ausnutzen. Vielfach agierte man zu unkoordiniert und ließ sich unnötig von der starken körperlichen Präsenz der Junglöwen einschüchtern. Selbst das frühe erste Time-Timeout durch Trainer Andi Krauß brachte zunächst nicht die nötige Ruhe und Stabilität ins Team. Als erstes konnte sich schließlich Stephan Seitz „fangen“, der insgesamt eine tolle Partie spielte und nicht nur selbst einnetze, sondern vor allem auch die anderen durch sein Beispiel zum Kämpfen mitriss. Nach und nach fand die Mannschaft zu ihrer Geschlossenheit, allerdings lag man da bereits mit 12:5 (13. Minute) zurück. Dass man aber auch in Östringen „nur mit Wasser kocht“, erfuhren die AllacherBuam dann in den folgenden Spielminuten, in denen sie sich konsequent herankämpfen konnten. Ein Vier-Tore-Lauf, der auch ein Team-Timeout der Gastgeber provozierte, führte zum 12:9 nur drei Minuten später. Inzwischen stand die Abwehr deutlich besser, man störte den Angriff der Gäste effizient und zwischen den Pfosten stand inzwischen Tomo Vistica, der seine Mannschaft immer wieder durch tolle Paraden unterstützte. Auch Philipp Hlawatschs Variabilität und Entschlossenheit wurden belohnt, Felix Wöhler hatte über Rechtsaußen den Zug aufs Tor gefunden und Cedric Riesner nutzte seine Chancen von der Kreisposition aus. Die mitgereisten Allacher Fans pushten ihrerseits die Jungs sehr lautstark nach vorne, jeder ihrer abgewehrten Bälle wurde gefeiert, jeder Ball wurde auf seinem Weg ins Tornetz von der Tribüne aus durch ein vielstimmiges „Auf geht’s Allach, kämpfen und siegen!“ begleitet. In der 28. Spielminute konnten die Gäste tatsächlich zum 16:16 ausgleichen und zwei Minuten später verabschiedete man sich beim Spielstand von 17:18 zur Pausenansprache in die Kabine.

Zurück auf der Platte folgten zunächst einige ausgeglichene Spielminuten, bevor die Junglöwen eine Zweiminutenstrafe gegen Allach ausnutzen und zu einem Zwischenspurt ansetzten. Die Gastgeber setzten sich zwischenzeitlich zum 22:19 ab. Doch unsere A-Jugendlichen fingen sich, nachdem man wieder vollzählig war, schnell wieder und in der 37. Minute gelang Tassilo Bräu erneut der Anschlusstreffer (22:21). Das erste Unentschieden (24:24) der zweiten Halbzeit (40. Minute) führte nicht nur zum Team-Timeout auf Löwen-Seite, sondern markierte den Beginn der überlegenen Phase der AllacherBuam. 15 Spielminuten lang war es nicht nur ein Spiel auf Augenhöhe, das die mitgereisten Fans zu sehen bekamen, ihr Team zwang vielmehr die Gastgeber vielfach zum Reagieren. Diese ließen sich allerdings nicht „abschütteln“, sondern kämpften ihrerseits und erzielten in der dramatischen Schlussphase zweimal den Ausgleichstreffer (30:30, 54. Minute und 32:32, 56. Minute). Von Spannung schließlich kaum zu überbieten die letzte Spielminute. Das Team-Timeout auf Löwen-Seite bei 59.14 Minuten führte nach einem sehr lang ausgespielten Angriff zum Torerfolg (34:33), den Allachern lief nun die Zeit davon. Das Team-Timeout auf Gästeseite, neun Sekunden vor Spielende, sollte die Mannschaft noch einmal fokussieren. Doch das Quäntchen Glück, das in dieser Kürze der Zeit notwendig gewesen wäre, damit der Ausgleich doch noch zu schaffen gewesen wäre, das hatten die Jungs an diesem Nachmittag nicht und so verloren sie nicht nur äußerst unglücklich, sondern vor allem auch unverdient nach dieser kämpferisch unglaubliche Partie! Enttäuschung und Sprachlosigkeit auf Gästeseite, das Gefühl, dass dieser doppelte Punktverlust nicht „gerecht“ war an diesem Nachmittag. Aber an der Realität ließ sich in diesem Moment nichts ändern…

Man hatte phantastisch gekämpft und man hatte den Spielern des Leistungsinternats und amtierenden Deutschen Vizemeister, abgesehen vom Spielbeginn, großartig Paroli geboten! Man war in die Pfalz gekommen um sich den einen Punkt am vorletzten Saisonspieltag zu erspielen um dann „aus eigener Kraft“ die Meisterrunde vorzeitig erreichen zu können. So stieg man schließlich am späten Nachmittag in Östringen in den Bus und wusste, dass die nächste und letzte Chance für diesen Traum mit dem TV Bittenfeld zusammenhängen würde, der am Sonntag, 17.11.2019, nach Allach reisen würde. Dass dieser TV Bittenfeld dann allerdings bereits eine Stunde nach Abfahrt die getrübte Stimmung im Bus blitzschnell in Jubel kippen ließ, das hatte im Vorfeld mit Blick auf die Süd-Tabelle so niemand geahnt: Aber nachdem der Stuttgarter Bundesliga-Nachwuchs seinen Gegner, die HG Oftersheim/ Schwetzingen, mit 30:21 nach Hause geschickt hatte, stand fest, dass die AllacherBuam niemand mehr den Platz in der Meisterrunde streitig machen konnte. Allach gehört somit zu den Top-16-Teams in Deutschland!

Der blaue Bus aus der bayerischen Landeshauptstadt wurde zum grün-weißen Partybus und die anschließende Nacht lang… zu Recht, Jungs! Großer Glückwunsch!