BYL wC1: SG Mintraching/ Neutraubling : TSV Allach 09 30:30 (19:16)

wC1: „Der Wurm war drin...“

Warum eigentlich nicht einmal den Rückblick auf ein besonders spannendes Handballspiel mit dem Fazit beginnen? Fazit: „Leistungsgerechtes Unentschieden.“ Weil das eben ein Fazit ist, das erst eine ganze Weile nach Spielende gezogen wurde, als schon jede Menge Adrenalin abgebaut war und man die 50 Spielminuten schon nüchtern hatte Revue passieren lassen. Aber weil der Weg bis zu diesem Fazit alles andere als entspanntes Sonntagnachmittags-Mädchen-Handball, sondern eher ein Krimi war, sei hier von vorne an berichtet: Allach auf dem Weg nach Neutraubling, das Team der Spielgemeinschaft Mintraching/ Neutraubling ein bisher unbekannter Gegner der C1-Mädels. Von den Spielberichten her erwartete man sich eine starke Heimmannschaft, die lediglich gegen Puschendorf gepatzt hatte und auswärts eine Niederlage beim ESV Regensburg einstecken musste. Und so fuhr man zwar zuversichtlich ob seiner Leistungsstärke nach Neutraubling, aber auch erwartungs- und repektvoll gleichermaßen. Und auch von Trainerseite aus war im Vorfeld der Mannschaft verdeutlicht worden, dass man es mit einem starken Gegner zu tun bekommen würde. Spielbeginn. Die ersten zehn Minuten ein recht ausgeglichenes Spiel, 5:5 der Spielstand. Es gelang hier den Mädels nicht ihre Stärke im Angriff, auch in der Abwehr zu zeigen. Zu viele der lange und geduldig ausgespielten Angriffe der Heimmannschaft wurden von Allacher Seite nicht mit der letzten Konsequenz abgewehrt und damit den Mintraching/ Neutraublingern das Durchkommen schließlich ermöglicht. Auch technische Unsicherheiten führten dazu, dass Allach dann bis zum Ende der ersten Halbzeit immer ein, zwei und auch mal drei Tore im Rückstand lag. Das Tempo war für beide Teams in dieser ersten Spielhälfte sehr fordernd, Allach in dieser Hinsicht leicht im Vorteil, da hier die Auswechselbank etwas besser besetzt war. 19:16 Tore beim Gang in die Kabine, die zweite Halbzeit versprach wieder anstrengend zu werden. Der Start in Hälfte zwei glückte dann den Gastgebern deutlich besser. Sieben Minuten benötigten unsere Mädels bis zum ersten Tor nach dem Wiederanpfiff, das Heimteam hatte diese Zeit allerdings schon zu drei eigenen Toren nutzen können... 22:16 und wenig später das 23:17. Sechs Tore Rückstand, das ist schon eine „Hausnummer“ und der Live-Ticker aus der Halle für diejenigen, die nicht selbst beim Spiel dabei sein konnten, meldete: „der Wurm ist drin“. Das ist jetzt wohl eher gelaufen dachten sich hier wohl schon die meisten Zuschauer (auf beiden Seiten). Aber... da packten die Kleeblättlerinnen zuerst einmal ihren Kampfgeist und ihre Geschlossenheit aus, dann kam das Sturmtief/ oder -hoch namens „An-Kri-Ma“ und peitschte das Team nach vorne und zwischen den Pfosten wurden wieder die blauen Socken hochgezogen... Auf der Tribüne wurde noch lauter und enthusiastischer für Stimmung gesorgt, so wollte man sich hier eigentlich nicht den Schneid abkaufen lassen! Und nach weiteren zehn Spielminuten zeigte die Anzeigetafel einen Spielstand von 26:26. Die antizipative Abwehr der Allacher Mädels, die super Paraden im Tor, beide Torfrauen lieferten sich in dieser Spielphase einen regelrechten „fight“ um die bessere Haltequote, und die breitere Auswechselbank der Allacher waren neben einer sensationellen Teamleistung, bei der jede Einzelne auf dem Feld und auf der Bank sooo wichtig war (!), den Ausschlag für diese Aufholjagd. Das 29:29 genau eine Minute vor Spielende, dann das 30:30 und nach einer Auszeit von unserer Seite aus sogar noch einmal die Möglichkeit das Spiel für sich zu entscheiden. Aber das wäre dann vielleicht zu viel des Guten gewesen, und das Fazit vom Anfang: „Leistungsgerechtes Unentschieden.“ ist dann nur die nüchterne Seite hinter dem Freudentanz, den die Allacher Mädels nebst Trainern auf dem Spielfeld aufführten, dem lauten Jubel der Fans, die völlig fertig waren und hektisch in die WhatApp-Gruppe getippt haben: „30:30. Aus“. Ob eigentlich schon einmal jemand untersucht hat, wie viel Adrenalin man als Fan bei solchen Begegnungen ausschüttet oder wie viele Kalorien beim Klatschen, Rufen, Trommeln verbraucht werden? Egal, nach 30 Minuten waren dann alle einfach nur noch glücklich und dass bei der Heimfahrt dann gleich nochmal „der Wurm drin war...“, weil einige Schneeflocken auf die Autobahn rieselten und alles zum Stillstand brachten, das hat an diesem frühen Sonntagabend dann eigentlich niemanden mehr gestört. Fazit: Ein Unentschieden, das glücklich macht, weil es die Mannschaft wieder ein Stück zusammengebracht hat und weil es auch bedeutet, dass sich die Mädels die Herbstmeisterschaft in der Bayernliga gesichert haben, zwei Unentschieden und ansonsten nur Siege, toll! Und weil fast zeitgleich Prien gegen Puschendorf gewinnen konnte, beträgt der Vorsprung auf den Tabellenzweiten Puschendorf sogar zwei Punkte. Die spielfreie Zeit wird jetzt zuerst einmal der Regeneration gehören, einige Angeschlagene werden noch Zeit brauchen, damit sie dann wieder gestärkt in die Rückrunde starten können. An dieser Stelle schon einmal ganz herzlichen Dank auch an unsere Trainer, besonders Miri hat immer wieder mit viel Geduld und noch viel mehr Zeit die Mädels begleitet, allerhöchster Respekt für so viel Engagement und Empathie. Ausblick: Zwischen Weihnachten und Neujahr begibt sich das Team dann auf Neuland, die Reise geht zum größten Handball-Jugendturnier nach Lund in Schweden. Spielerisch sicherlich eine ganz neue und sehr große Aufgabe, namhafte Teams, besonders aus dem Handball-Norden warten hier auf die Mannschaft, eine Zeit, die sicher unheimlich viel Potenzial zum Lernen in sich birgt. Im neuen Jahr stehen dann sehr schnell die Spiele der Rückrunde an, besonders wird man hier die sicher schwierigen Auswärtsspiele in Prien, Regensburg und Puschendorf im Auge haben müssen. Bis dahin aber erst einmal allen Spielerinnen, den Trainern und allen treuen Begleitern der Mädels eine ganz schöne Vorweihnachts- und Weihnachtszeit und alles, alles Gute für 2018!